Es ist erst ein paar Wochen her, da wurde der Bezirksstadtrat für öffentliche Ordnung Torsten Kühne erst vom Verkehrsausschuss und dann von der Bezirksverordnetenversammlung angezählt, weil er zum einen immer mal wieder mit irgendwelchen unausgegoren Dingen wie die berühmte „Falschparker-App“ oder Schlagstöcke und Reizgas für Parkraumüberwacher ausgebrütete hatte.
Zum anderen, weil er mit seinen – halbgaren – Ideen nicht zuerst bei den Bezirksverordneten vorstellig wurde, sondern sie über die Medien an die Öffentlichkeit brachte.
Die gewählten Pankower Volksvertreter erfuhren von den neuesten Kopfgeburten Kühnes regelmäßig aus der Morgenzeitung und nahmen – zu recht – übel. Auf der letzten BVV-Tagung wurde Kühne in einer aufgeladenen Debatte dafür aufs heftigste abgewatscht.
Soviel Aufmerksamkeit der Bezirksverordneten für seinen Kollegen muss Stadtentwicklungstadtrat Jens-Holger Kirchner irgendwie gewurmt haben…
Und so langte er mal eben richtig zu.
Im Mai 2015 soll ein vier Wochen langes „Eco-Mobility Festival“ im Karree zwischen Stagarder Straße, Danziger Straße, Prenzlauer und Schönhauser Allee abgehalten werden, auf dass dort ein „Schaufenster für emissionsfreie Mobilität“ mit Ausstellungen und Spielplätzen auf der Straße entstehen.
Dauerstau vorprogrammiert
Bei dem von Kirchner angekündigten „Festival“ soll dann mal eben der Fuhrpark von rund 20.000 Menschen – das ist die Einwohnerzahl einer veritablen Kleinstadt! – evakuiert und zu einem Teil durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Nach seinen Vorstellungen würden die Anwohner mit elektrisch betriebenen Shuttlebussen zu den Autosammelplätzen vor der Schmeling-Halle, an der Fröbelstraße und am S-Bahnhof Greifswalder Straße (auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände?) gebracht werden.
Darüber ist in den vergangenen 48 Stunden im gesamten Berliner Blätterwald berichtet worden, so dass die Einzelheiten hier nicht noch einmal wiederholt werden müssen.
Und dennoch: Den Stau des Morgens und des Abends möchte man sehen, wenn sich die rund die dreieinhalb-
tausend eigentlich im LSD-Kiez beheimatete Karossen durch die engen Wohnstraßen vom oder zum Abstellplatz an der Schmelinghalle quälen. Die Anwohner rings um den Falkplatz zum Beispiel werden sich freuen…
Wie die vielen Läden und andere Gewerbebetriebe beliefert werden sollen, scheint gar nicht bedacht worden zu sein – denn selbst wenn Elektrolaster für den „letzten Kilometer“ zur Verfügung stünden – hieße das dann umladen auf der Schönhauser Allee und der Danziger Straße?
Was an diesem kirchnerschen Schnellschuss irritiert, ist der der Umstand, dass es gar kein Schnellschuss ist. Da wurden offenbar längst elektrisch betriebene Busse und Müllfahrzeuge geordert und sogar schon eine GmbH gegründet, die das Ganze organisieren soll.
Autofreiheit politisch nicht durchsetzbar
Da stellt sich die Frage, ob der Bezirkstadtrat möglicherweise die Sache deshalb hinter dem Berg gehalten hat, um Bezirksverordnete und Bürger vor (fast) vollendete Tatsachen zu stellen.
Denn wie groß der Widerstand der Autobesitzer ist, wenn ihren Lieblingen aus Blech auch nur vergleichsweise geringe Einschränkungen zugemutet werden, konnte man vor einiger Zeit rund um die Gethsemanekirche beobachten. Da wollten einige der Anwohner das Sträßchen hinter dem Gotteshaus zum autofreien „Gethsemaneplatz“ umgestalten.
Der Widerstand vor Ort war gewaltig, übriggeblieben ist vom Konzept der „Platz“-Aktivisten so gut wie nichts.
Justament heute, wo Kirchner sein „Festival“-Konzept dem Pankower Verkehrsausschuss vorstellen will, steht nun auch die „Baumaßnahme Gethsemanestraße – Nutzungskonzept nördlicher Bereich Greifenhagener Straße“ auf der Tagesordnung. Es wird wohl eine äußerst lebhafte Veranstaltung werden.
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Frank Möller
Mai 09. 2014
Lieber Olaf,
dieser Bericht ist eher enttäuschend. Widerkäut er doch vorrangig die Bedenken und die allgemeine Phantasielosigkeit der BVV und assoziierter Dumpfbacken aus der Greifenhagener Straße…
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