Klaus Mindrup will Wolfgang Thierse beerben

Am vergangenen Freitag traf um 16:43 bei den rund 1.500 Pankower SPD-Mitglieder eine E-Mail von Kreisgeschäftsführer Jens Peter Franke ein. „Liebe Genossinnen, liebe Genossen“, war darin zu lesen, „auf Bitten von Klaus Mindrup übersende ich Euch seinen Kandidatenbrief.“ In jenem Brief erklärt Klaus Mindrup, dass er sich um die Kandidatur für den Bundestagswahlkreis Berlin-Pankow zu bewirbt.

Seit 2002 war Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse auf diesen Wahlkreis abboniert und konnte ihn zwei mal in Folge gewinnen. Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2009 belegte Thierse allerdings hinter dem Linkspartei-Kandidaten Stefan Liebich nur Platz 2.

Klaus Mindrup ist Vorsitzender der SPD-Abteilung (Ortsverein) 15 im Karree Kollwitzplatz, Winskiez, Kastanienallee und Mitglied der SPD-Fraktion in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung.
Als deren finanzpolitischer Sprecher war er maßgeblich an der Gestaltung des aktuellen Pankower Doppelhaushaltes beteiligt, der unter anderem die – bisher gescheiterte – Aufgabe des Bezirksamtsgeländes Fröbelstraße und die Schließung der Seniorenbegegnungsstätte Stille Straße 10 beinhaltet.
 

Projekt „Rot-Grün 2“

In dem an die SPD-Mitglieder verschickten „Kandidatenbrief“, der seit Sonntag auch auf der Webseite der SPD Nordost eingestellt ist, warnt Mindrup vor einer neuerlichen „‚große Koalition‘ unter Führung der Kanzlerin“, die nach seiner Ansicht „in aller Munde“ sei; er äußert die Befürchtung, dass die Energiewende in Gefahr sei und beklagt die „Schröpfung und Ausdünnung sozialer Systeme“.
Als Alternative dazu propagiert Klaus Mindrup ein „Projekt Rot-Grün 2“. „Rot Grün 1“, so Mindrup, habe „Deutschland vor allem gesellschaftspolitisch nach vorne gebracht.“ Allerdings seien seinerzeit auch „neoliberale Positionen in praktische Politik umgesetzt“ worden, die dem Land nicht gut getan hätten. Als Beispiel nennt er die Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen. Dass Deutschland unter Rot-Grün erstmals seit dem 2. Weltkrieg wieder an einem Angriffskrieg teilnahm, fand hingegen keine negative Erwähnung.
„Rot-Grün 2“ soll nach den Vorstellungen von Klaus Mindrup „auf eine neue Verbindung aus sozialer
Gerechtigkeit, fairer Arbeit und nachhaltigem Wirtschaften setzen.“
 

Kein Wort über den aktuellen Mandatsträger

Einstmals Seit an Seit: Klaus Mindrup und Wolfgang Thierse im Jahr 2010 bei einer Protestveranstalung gegen den Umbau des Karrees an der Belforter Straße

Während der inhaltlichen Rundumschlag des „Kandidatenbriefes“ wie das Konzept einer Regierungserklärung des kommenden Bundeskanzlers anmutet, geht der künftige Kandidaten-Kandidat mit keinem Wort auf seinen Konkurrenten in spe ein.
Von der Prenzlberger Stimme befragt, was er denn konkret anders und besser machen würde, als der derzeitige Mandatsträger, wich der Herausforderer aus: Er stehe für eine „Verjüngung und inhaltliche Erneuerung der SPD“. Als Vorteil führte er an, kein Berufspolitiker zu sein. Im übrigen sei auf den „Kandidatenbrief“ verwiesen und: Wolfgang Thierse habe ja überhaupt noch nicht erklärt, ob er überhaupt kandidiere.

Dass Klaus Mindrup seinen Hut in den Ring werfen würde, kündigte sich seit längerem an. Bereits im Frühjahr dieses Jahres gingen Emissäre seiner Abteilung 15 durch die Pankower Ortsvereine, um die Stimmung unter den Genossen auszuloten. Vor allem in den „Nordabteilungen“ standen viele Genossen dem Kommunalpolitiker aus Prenzlauer Berg eher skeptisch gegenüber. So wird die Kür des Kandidaten des Wahlkreises Pankow wohl zugleich auch eine Kraftprobe zwischen den als „Rechte“ firmierenden Nordpankowern und den sich als „Linke“ sehenden Prenzlauer Bergern Sozialdemokraten werden.

Wie Wolfgang Thierse die Sache beurteilt, war übrigens nicht in Erfahrung zu bringen. Klaus Mindrup hat seine Kandidatur-Ankündigung zu einem Zeitpunkt öffentlich gemacht, an dem sich der derzeitige Mandatsträger noch im Urlaub befindet.

 

 

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kommentar zensiert1Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten der Prenzlberger Stimme beibt die Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen. Der Grund: Dieser Artikel nimmt auf den Pankower SPD-Politiker, Mitglied des Berliner Landesvorstandes der SPD und Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup Bezug.Klaus Mindrup4
Mindrup hatte in den Kommentaren eines ihn betreffenden Artikel Behauptungen zu seiner Person als unzutreffend angesehen. Anstatt die ihm gebotenen Möglichkeiten einer Richtigstellung in seinem Sinne zu nutzen, zog er es vor, diese Äußerungen gerichtlich verbieten zu lassen. Näheres über die juristische Attacke des SPD-Politikers gegen die Prenzlberger Stimme ist hier zu lesen ==>


 

 



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