Die für Mittwoch angekündigte Aussortierung eines nicht unbeträchtlichen Teils des Bestandes der ehrenamtlich geführten Kurt-Tucholsky-Bibliothek (KTB) in der Esmarchstraße findet erst einmal nicht statt. der für Kultur zuständige Pankower Bezirksstadtrat Torsten Kühne hat dem Verein “Pro Kiez”, der die Bibliothek betreibt, mitgeteilt, dass mit einer Entscheidung darüber, ob und im welchem Umfang Bücher aus dem Bestand genommen werden, bis nach der Sommerpause gewartet werden soll.
Ursprünglich wurde den Bibliotheksbetreibern angekündigt, dass bis zu 6.000 Bücher – das ist ein Viertel der aus rund 24.000 Medien bestehenden Ausstattung der Bibliothek, in die Makulatur gehen sollen. Der Betreiberverein hatte daraufhin zu einer großen Entleih-Aktion aufgerufen: “Ausgeliehene Bücher können nicht ausgesondert werden.”
Das Bezirksamt begründete die Aussortierung mit Vorgaben des Verbundes der Öffentlichen Bibliotheken Berlin (VÖBB), nach denen jedes Jahr 15 Prozent der Medien aus dem Bestand herausgenommen werden müssen.
Das mach vielleicht Sinn, wenn dem Neuanschaffungen in gleicher Größe gegenüber stehen. Dies ist aber bei der KTB nicht der Fall. Der Ehrenamtsbibliothek stehen allenfalls Gelder für die Neuanschaffung von 300 Medien im Jahr zur Verfügung.
Dass die KTB sogar rund 25 Prozent ihrer Bücher zum Altpapier geben sollte, wurde mit der Verweigerungshaltung in den Vorjahren begründet – da wurden die 15-Prozent-Vorgaben schlicht ignoriert.
Bibliothek soll kein „Büchermuseum“ werden
Bezirksstadtrat Torsten Kühne zeigte im Gespräch mit der Prenzlberger Stmme Verständnis für den Aufruf der Bibliotheksbetreiber: “Natürlich bin ich auch dafür, dass Bücher so weit wie möglich im Bestand bleiben können.” Allerdings sollte aus der Bibliothek auch kein Büchermuseum werden. Kühne: “Heutzutage geht der Trend immer mehr zu nichtkörperlichen Medien, wie zu Beispiel E-Books.” Da komme es weniger auf den physischen Bestand an, als vielmehr auf die Rahmenbedingungen in der Bibliothek – und darauf, dass die elektronischen Medien auch tatsächlich abrufbar seien.
Zudem, so Kühne weiter, befürchte er, dass bei einer Nichteinhaltung der Aussortierungs-Quote ein Ausschluss der Tucholsky-Bibliothek aus dem Bibliothekenverbund drohe. “Die ehrenamtlich geführte Bibliothek ist fast ein Novum in Berlin – Vergleichbares gibt nur noch mit der Thomas-Dehler-Bibliothek in Tempelhof-Schöneberg.”
Die anderen Bezirke betrachteten die Ehrenamtsbibliotheken jedoch nicht ohne Grund als Kostendrücker. Da deren Personalaufwendungen gegen Null tendieren, senkten sie damit auch den “Median” (Mittelwert) bei der Kosten-Leistungs-Rechnung der Bezirke – was bedeutet, dass auch andere Bezirke gehalten seien, ihre Kosten zu senken.
Wie nun konkret weiter verfahren wird, vermochte der Bezirksstadtrat nicht zu sagen. Nach dem Ende der Sommerpause will sich er erst einmal mit dem Bibliotheksverbund zusammensetzen, um auszuloten, welche Spielräume es für die Bibliothek gibt, ohne dass sie Gefahr laufe, aus dem VÖBB zu fliegen.
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tanti
Nov. 19. 2013
Na super – schmeisst doch den Ramsch weg. Bücher sind out – nur was für Leute, die haptisch etwas in der Hand haben wollen. Im Ernst: Diese Kulturbanausen sollte man in die Wüste schicken oder den Film Fahrenheit 451 zwangsweise sehen lassen! Bücher sind Kultur und e-books sind nur etwas für Menschen, die keine Beziehung zum Kulturgut Bücher haben. In ein paar Jahren lassen sich e-books nicht mehr lesen, dann haben sich bits und bytes aufgelöst. Bücher bestehen durch die Jahrhunderte.