Blackout im Bezirksamt Pankow

Und das am „langen Donnerstag“! Unzählige Pankower Bürger hatten sich vergeblich auf den Weg in eine der Dienststellen des Bezirksamtes gemacht. Dort angekommen, erfuhren die Bürger durch provisorisch erstellte Hinweiszettel, dass gar nichts geht: Stromausfall. „Heute morgen gegen 6.15 Uhr gab es in einer Stromverteilerstation auf dem Bezirksamtsgelände Fröbelstraße auf Grund von eindringender Nässe einen Kurzschluss“, erklärte Stadtrat Martin Federlein auf Nachfrage. In Folge dessen fielen an allen Standorten des Bezirksamtes sämtliche Rechner sowie die Telefonanlage der Behörde aus. Während das Rechnersystem am Nachmittag offenbar wieder hochgefahren werden konnte, waren die Dienststellen des Bezirksamtes auch am Donnerstagabend telefonisch noch nicht wieder zu erreichen. Versagt haben aber nicht nur die elektrischen Anlagen – versagt hat ganz offenbar auch die Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksamtes. Während der Schaden in aller Herrgottsfrühe eintrat und also abzusehen war, dass zumindest in den ersten Stunden des Tages Bürgeranliegen nicht bearbeitet werden können, war aus dem Bezirksamt nichts zu vernehmen – kein offizieller Hinweis, keine Pressemitteilung – nichts. Die Bürger erfuhren erst vor Ort durch die meist handgeschriebenen Zettelchen an den Türen, dass sie umsonst gekommen waren. Die erste nachvollziehbare Nachricht erschien gegen 11 Uhr auf Facebook. Da stellte „Pankows Bügermeister“ fest, wie „technikabhängig die öffentliche Verwaltung ist, da seit Stunden weder Telefon noch Computer in allen Bezirksamtsbüros nicht funktionieren.“ Das wars dann aber auch schon. Kein Hinweis: „Leute sagts weiter, die Ämter bleiben heute zu“ – nichts. Gegen 14 Uhr erschien dann die erste – und soweit bisher bekannt einzige – Meldung in einem Medium: Der rbb zitiert Stadtrat Federlein mit der Bitte an die Bürger, „den Besuch der Pankower Ämter auf Freitag zu verschieben.“ Ob Federlein von sich aus den rbb informiert hatte oder aber nur auf eine Anfrage reagierte, war bisher nicht herauszufinden.
Um die selne Zeit freute sich “Pankows Bürgermeister” auf Facebook darüber „dass das Bezirksamt wieder erreichbar ist.“ Das stimmte zwar nur teilweise, denn die Telefone blieben nach wie vor tot, aber immerhin schien das Computer- und Internetnetzwerk wieder zu funktio-
nieren. Und so konnte Bezirksamts-Pressesprecher Tobias Schietzel um 14.18 Uhr die interessierte Öffentlichkeit per e-mail über eine „Neue Freifläche für die ‚Prenzlberger Spielmäuse'“ informieren. Dabei blieb es dann aber auch. Und auch auf den Seiten des Bezirksamtes sucht man vergeblich nach einem Hinweis.
So musste sich der Journalist, der nicht über die private Handynummer eines Bezirkspolitikers verfügte und sich dennoch informieren wollte, schon selbst ins Pankower Rathaus begeben. Doch gegen 15 Uhr dort jemand anzutreffen, der verbindlich Auskunft geben könnte, war fast unmöglich. Der Pressesprecher: Nicht anwesend; der Bürgermeister: Außer Haus… – immerhin war noch der Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Bürgerdienste und Wohnen, Martin Federlein auffindbar.
Da Informationen fehlten, wuchs die Anzahl jener Bürger, die vergeblich zu den Sprechstunden erschienen, am Nachmittag weiter an. Während den meisten Einrichtun-
gen vor Ort ein Hinweiszettel und ein paar aufklärende Worte von Mitarbeitern ausreichend erschienen, war war das Bürgeramt Prenzlauer Berg besonders abgesichert: Zwei hochgewachsene, durchtrainierte Wachmänner stellten sich jedem Ankömmling in den Weg: Nur wenige wurden nach einer hochnotpeinlichen Befragung für wür-
dig befunden, die Gänge des Amtes betreten zu dürfen.



2 Kommentare zu “Blackout im Bezirksamt Pankow”

  1. Tobias Schietzelt

    Nov. 05. 2010

    Super Idee, Presseinfo veröffentlichen ohne Fax, Mail, Telefon und Zugriff auf den Server mit den Mediendaten. Danke auch für die Anwesenheitskontrolle, werde mich künftig bei Herrn Kampmann abmelden, wenn ich das Büro ver- und nur meine Kollegin hinterlasse.

    Tobias Schietzelt (privat)

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    • ODK

      Nov. 07. 2010

      Naja… – langwierige und kostenintensive Recherchen meinerseits haben ergeben: Das Mobiltelefon (in vulgo: Handy) ist bereits erfunden. Die Telefonnummern der zahlreichen Zeitungsredaktionen der Stadt sind aus dem Impressum der jeweiligen Blätter zu entnehmen. Die der Nachrichtenagenturen kann man per Telefonauskunft (Handy!) erfragen. Ab 14 Uhr herum waren Server und Mediendaten offenbar wieder verfügbar. Beweis: Die um 14.18 Uhr abgesetzte Pressemitteilung über die „Prenzlberger Spielmäuse“. Ja, auch eine Nachricht. Aber ein Hinweis darauf, dass die Ämter geschlossen bleiben, war nicht möglich? Es war „langer Donnerstag“, der einzige Tag der Woche, an dem die Ämter flächendeckend regulär ab 15 Uhr Uhr geöffnet haben…
      Ich bitte Sie: Wenn die Verwaltung eines Einzugsgebietes mit mehr als 360.000 Einwohnern – das ist anderswo eine veritable Großstadt! – über längere Zeit gänzlich lahmgelegt und von fast jeglicher Kommunikation abgeschnitten ist, dann ist das ja wohl keine Petitesse. Vielleicht wäre das ja nun die Gelegenheit, mal über so neumodische Dinge wie die Einrichtung eines Twitter- und eines Facebookaccounts für das Bezirksamt nachzudenken… (auch leicht übers Mobiltelefon zu bedienen).
      Doch auch auch althergebrachte Kommunikationsformen wie zum Beispiel die zu Papier gebrachte Pressemitteilung hat durchaus noch ihre Daseinsberechtigung. Leicht herstellbar (auf Laufwerk C verfasst, ausgedruckt und kopiert – Strom war in Pankow ja vorhanden) und schon wären jene Nervensägen, die bei Ausfall der anderen Kommunikationsstränge persönlich ins Rathaus kommen, um Informationen einzuholen, nachhaltig ruhiggestellt. Und in diesem Fall wäre es auch gar nicht schlimm, wenn sich eine „hinterlassene“ Kollegin für nicht auskunftsfähig erklärt.

      Gruß nach nebenan!

      Olaf Kampmann (auch privat)

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