Bötzow-Brauerei: “Chelsea Market” und „Wohnungen für Freunde“

Als die Potsdamer Architekten Eric van Geisten und Georg Marfels fast auf den Tag genau vor einem Jahr dem Pankower BVV-Ausschuss für Stadtentwicklung ihre ersten Rohentwürfe für das von der Otto Bock HealthCare GmbH erworbene Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee vorstellten, war die Reaktion einhellig: Endlich ein Investor, der für das seit über sechs Jahrzehnten brachliegende Grundstück akzeptable Vorstellungen einbringt. Dass der künftige Bauherr ankündigte, selbst Nutzer der Immobilien zu werden, wurde ebenfalls positiv aufgenommen. Erfreut war man auch über den verkündeten Verzicht auf eine Blockrandbebauung und dem damit verbundenen Erhalt von Sichtachsen von der Prenzlauer Allee zu den historischen Bötzow-Bauten.
Bald schon, so ließen Architekten und Investor damals verlauten, würden dem Ausschuss und der Öffentlichkeit die Fortschritte der Planungen zur Kenntnis gebracht werden.

Ein paar Wochen später teilte der damalige Stadtrat Michail Nelken dem Ausschuss mit, dass sich das Bezirksamt und die Firma Otto Bock über die Durchführung eines sogenannten Angebots-Bebauungsplanverfahrens auf Kosten des Investors geeinigt hätten. Ende Februar kündigte die Otto Bock HealthCare GmbH einen Pressetermin für Mitte April auf dem Areal der Bötzow-Brauerei an, bei dem Firmenchef Hans Georg Näder die Planungen für das Gelände vor Ort erläutern wollte. Doch der wurde zwei Wochen zuvor wieder abgesagt – und seitdem war trotz Nachfragen bezüglich des Fortschritts bei den Brauerei-Plänen vom Duderstädter Unternehmen nichts mehr zu erfahren.
 

Hotel „Le Chateau du Nord“ und unterirdische Einkaufsmeile

Chelsea Market in New York
(Foto: Steve Isaacs via Wikipedia)

Am vergangenen Donnerstag stellten die Architekten Eric van Geisten und Georg Marfels – zwölf Monate nach ihrer ersten Präsentation – dem Pankower BVV-Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen nun den aktuellen Stand ihrer Arbeit vor. Nicht alles fand den ungeteilten Beifall der Bezirksverordneten.

Kultur, Gewerbe, Wohnen – diese drei Bereiche sollen für das Areal der ehemaligen Bötzow-Brauerei in Zukunft prägend sein. Das Kernstück des Projektes wird die dort einziehende Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens mit einer als „gläserne Werkstatt“ konzipierten Rollstuhl-Manufaktur sein.
An der Prenzlauer Allee sind vier ellipsenähnliche Neubauten vorgesehen, die mit ihren zur Straße ausgerichteten Spitzen die durchlässige Vorderfront des Ensembles bilden.
Die alte Bötzow-Villa soll zu einem Luxus-Hotel mit den Namen „Le Chateau du Nord“ hergerichtet werden. In den ausgedehnten, miteinander verbundenen 4000 Quadratmeter großen Kellergewölben der Brauerei will „Otto Bock“-Chef Hans Georg Näder in Anlehnung an das Konzept des New Yorker Chelsea Market eine unterirdische Einkaufsmeile entstehen lassen. Der Chelsea Market ist eine Art überdachte Marktstraße, die 1997 in einer ehemaligen Biscuit-Fabrik im New Yorker Stadtteil Chelsea eröffnet wurde. Er ist vor allem für sein kulinarisches Angebot berühmt.
 

„Die Wohnungen werden an Freunde von Professor Näder vermietet“

Brauereigebäude an der Saarbrücker Straße:
''Nichtstörendes Gewerbe'', Kultur, Büros

In den Obergeschossen der auf dem südlichen Teil an der Saarbrücker Straße liegenden Brauereigebäude sollen nach Angaben der Architekten „nichtstörendes Gewerbe“ und Gastronomie angesiedelt werden.
In den nördlichen Bestandsbauten ist hochwertiger Wohnraum unter dem… tja, … Titel „Wohnen in Fabrikationsräumen“ vorgesehen. Das gesamte Areal soll oberirdisch frei von Individualverkehr gehalten werden – dafür seien bis zu 500 unterirdische Kraftfahrzeug-Stellplätze angedacht.
Diese Zahl löste im Ausschuss ein allgemeines Stirnrunzeln aus. Architekt Georg Marfels beeilte sich daraufhin zu erklären, dass es verschiedene Modelle für die Parkplätze gäbe, man habe vor dem Ausschuss nur die „schlimmste“ der Möglichkeiten darlegen wollen.

Grünanlage Saarbrücker Straße/
Ecke Prenzlauer Allee mitverplant?

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Wolfram Kempe zeigte sich irritiert darüber, dass die sich an die Südspitze des Brauereigrundstückes anschließende Grünanlage, in deren Zentrum sich Gedenkstein befindet, nun offenbar zu einem Eingangsbereich des Bötzow-Areal umgestaltet werden soll. Bei den Vorstellungen im vergangenen Jahr wäre davon keine Rede gewesen. Georg Marfels erklärte auch hier, dass sich noch alles im Stadium von frühen Überlegungen befände. Selbstverständlich wird man eng mit dem Bezirksamt und den Denkmalschutzbehörden zusammenarbeiten, um ein von allen akzeptiertes Konzept zu erarbeiten.
Thomas Goetzke, Pankower Kreisgeschäftsführer der Partei DIE LINKE, kritisierte: “Hochwertiges Wohnungen ist nicht das, was wir in derzeit in Prenzlauer Berg benötigen”.
Während die Architekten darauf verwiesen, dass auf Grund der maroden Baussubstanz die Baukosten sehr hoch und daher Preiswertes nicht zu realisieren sei, brachte ein anwesender Vertreter der Otto Bock HealthCare GmbH noch eine andere Sichtweise ein: “Hochwertig” sei nicht der zutreffende Begriff für das, was in den Bötzow-Bauten entstehen soll, schließlich wären die künftigen Bewohner von rauen Fabrikwänden umgeben. Und eigentlich ginge es da auch nur um die “Community”: “Die Wohnungen werden nur an Freunde von (Firmenchef – ODK) Professor Näder vermietet.”

 

„Die ersten Bauanträge sollen 2012 gestellt werden“

Durch die Bank postiv nahmen sowohl die Ausschussmitglieder, als auch Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner die Ankündigung auf, die Entwicklung des Geländes etappenweise voranzutreiben. Da für die Neubauten ein zeitraubendes Bebauungsplanverfahren anstehen wird, will sich der Investor sich zunächst der vorhandenen Bausubstanz widmen. Die Architekten erklärten, dass bereits im kommenden Jahr Bauanträge für die Bestandbauten eingereicht werden.

 

 

 

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